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Ein paar Worte zum Thema Seriosität:

Ich schreibe hier nur meine Meinung, ohne Anspruch auf Vollständigkeit und die Erhabenheit von Unfehlbarkeit. Dennoch halte ich es für sehr wichtig, das Thema anzusprechen und meine Meinung festzuhalten. Denn die Seriosität von Fotografen und Auftraggebern lässt sich nicht so leicht definieren. Sie ist aber die Grundlage für die Reputation eines ganzen Berufsstandes sowie eine notwendige Vertrauensbasis zwischen Modelen und Fotografen.

Mit einigen Fragen möchte ich mich dem Thema nähern. Ist es unseriös, wenn das Model sich ausziehen muss? Ist es immer seriös, wenn sie/er angezogen arbeitet? Macht das Alter in diesem Zusammenhang einen Unterschied?

Nacktheit hat mit Seriosität überhaupt nichts zu tun. Als Akt-Fotograf weiß ich, dass das Thema Akt genauso alt ist, wie die Kunst selbst. Und selbst der katholischen Kirche war es nicht unmoralisch solche Darstellung in Kirchen zuzulassen. Aber auch im Business-Bereich ist Gehemmtheit ein großes Problem. Hinter der Bühne stehen selten Umkleidekabinen zur Verfügung. Oft haben die Modele nicht einmal die Zeit oder alleine die Möglichkeit dazu, da die Kleidungsstücke zu kompliziert zum Anziehen sind. Sie müssen nicht selten beim Umkleiden unterstützt werden, gleichzeitig werden sie gestylt etc. Wer da ein Problem mit der eigenen Nacktheit hat, kommt nicht weit. Nicht selten sind die getragenen Kleidungsstücke sehr sexy und nicht immer den Körper ausreichend zudeckend. Und vor der Auftragsannahme werden die großen Labels und Auftraggeber den Teufel tun und den Modelen sagen, was genau zu tragen ist. Das Model weiß im Normalfall die groben Kategorien, wie z.B. Fashion, Bademode, Dessous, Wintermode, Sommermode, …, Hochzeitskleider etc. Mehr weiß das Model nicht. Kein Label oder Auftraggeber möchte frühzeitig die Konkurrenz von der eigenen Linie etwas erfahren lassen.

Und nur weil man angezogen ist, ist nicht alles seriös. Ein Fashion Shooting kann natürlich auch eine Falle sein. Oder in der Umkleidekabine wurde eine Kamera versteckt! Angezogen sein, ist also auch kein Kriterium für Seriosität.

Und die Altersstufe ist wahrlich kein Thema. Das Alter hat mit dem Jugendschutzgesetz zu tun. Das Gesetz versucht Kinder- und Jugendliche vor Ausbeutung in vieler Hinsicht zu schützen. Ausbeutung hat aber viel mit der Intention und Vorgehensweise des Fotografen zu tun. Ginge es nur um die Nacktheit, dürfte für kein medizinisches Fachbuch ein Bild von unter 18 Jährigen gemacht werden, bzw. müssten die Bücher wie Verschreibungspflichtige Medikamente verkauft werden! Anne Geddes würde dann ebenfalls verhaftet werden müssen.

Zum Thema Akt habe ich unter „Fotografie/Akt“ schon Einiges geschrieben. Bei Interesse kann man ja da nochmal meinen Standpunkt nachlesen.

Anhand der Thematik Bikini und Dessous kann man sich einer Antwort nähern: Solche Bilder werden für die Modewelt benötigt. Aber auch im sonstigen Werbebereich oder im Film- und Fernsehen werden sie eingesetzt. Selbst bei Künstlern im Akt-Bereich greift man auf solche Kleidungsstücke zurück, wenn das Thema oder die Pose des Models es erfordern (z.B., um nicht pornografisch zu werden). Jedoch ist die Frage erlaubt, was ein Amateur mit so vielen Bildern von Mädels in Bikini und Unterwäsche machen will, der mit allen Modelen solche Bilder produziert.

Es ist also nicht grundsätzlich zu befürworten oder zu verneinen, ob man ein Bikini-, Dessous- oder Akt-Shooting machen soll oder nicht: Seriosität ist keine Frage, ob man noch etwas an hat oder nicht. Seriosität hat auch nicht mit der Ausrüstung zu tun. Die ist käuflich und hat absolut nichts zu sagen. Einige der größten Fotografen der Welt, wie z.B. Bresson, haben die schönsten Aufnahmen mit einer alten Spiegelreflexkamera und ein Objektiv gemacht. Es ist ebenfalls keine Frage, ob jemand einen Visagisten am Set hat. Und auf keinen Fall beweist ein Internetauftritt irgendetwas! Die Frage ist, wofür der Fotograf die Bilder macht, ob er/sie wirklich ausgebildeter/studierter Fotograf ist oder sich nur so nennt. Ist er ein Amateur mit oder ohne Ausbildung? Theoretisch kann jemand, der regelmäßig Bilder vom Sportverein an die Wochenzeitung verkauft, sich als Profi bezeichnen. Denn Profi besagt nur, ob er gewerblich als Fotograf tätig ist und nicht, ob er ausgebildeter/studierter Fotograf ist. Wenn ein Hobbyfotograf (jemand der weder die Ausbildung/Studium zum Fotografen hat noch gewerblich als Solcher tätig ist) ehrlich ist und mit dem Model unter Festlegung aller Bild- und Nutzungsrechte arbeitet, ohne die Würde oder den Willen des Models zu verletzen, ist seine Arbeit serös. Von daher hat Unseriosität viel mit Ehrlichkeit, Fairness und Transparenz der Arbeit zu tun.

Mein Haupttipp bleibt: Gerade Akt-, Teilakt-, Bikini- und Dessous-Bilder solltet ihr bei ausgebildeten/studierten Fotografen machen lassen. NIEMALS bei Hobbyfotografen. Es sei denn, ihr kennt diese persönlich.